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Personen, Preise, Pointen |
|  | |  Soviel Stadt, man weiß gar nicht, wo man anfangen soll, darüber zu reden. | Labor Werkbund 2007 scheiterte die Werkbund-Siedlung Wiesenfeld im Münchener Stadtrat, doch noch hat der Werkbund die Hoffnung nicht aufgegeben, das Projekt vielleicht dennoch – möglicherweise auch an einem anderen Ort – verwirklichen zu können. Die Werkbund-Tagung "Labor Stadt", die vom 19. bis zum 21. Juni in München stattfand, hätte also durchaus die Möglichkeit geboten, gezielt aufzuarbeiten, woran das Projekt scheiterte und was man in Zukunft besser machen kann. Entsprechend hatte man für die Tagung geworben. Da seit März 2009 die Landesverbände des Werkbunds wieder unter einem gemeinsamen Dach vereint sind, waren intern die Voraussetzungen gegeben, wieder nach vorne zu schauen. Doch die Tagung geriet eher zu einer diffusen, mit Themen hoffnungslos überladenen Selbstfindungsveranstaltung, die zu sehr von Harmoniesehnsucht geprägt war, als dass sich daraus eine produktive Auseinandersetzung mit Fragen der Zukunft des Wohnens hätte ergeben können. Angesprochen wurden unter anderem Entscheidungssysteme der deutschen Verwaltungssysteme, rechtsphilosophische Fragen nach Gerechtigkeit und Gemeinwohl, Funktionen des Freiraums, Stadtumbau Ost und Nachhaltigkeit. Dass Städte eigene Individuen seien, war zu hören, dass zur guten Stadt der "Raum für Auseinandersetzung" gehöre, oder dass Konflikte ausgetragen werden müssten. Die Zeit fehlte, diesen Postulaten auf den Grund zu gehen, und so blieb es bei Binsenweisheiten, die zu hinterfragen sich durchaus gelohnt hätte. Hermann Czechs Beobachtung, dass die Bedeutung der öffentlichen Räume überschätzt werde, wurde mit Weichspüler übergossen. Die von Hermann Grziwotz in den Raum geworfene Aussage, dass sich Planung in Zukunft beim Umgang mit Armut keine Hoffnung mehr auf ein Wirtschaftswunder machen dürfe, blieb unkommentiert. Zusätzlich eingestreut wurden Wohnbauprojekte (von Genossenschaften aus Berlin, der Lausitztower aus Hoyerswerda, der Erneuerung des Frauendorfes auf dem Münchener Olympiagelände) ohne dass nach übertragbaren Erfahrungen gefragt werden konnte. Nichts gelernt: Wie die Werkbundsiedlung litt auch diese Tagung daran, dass zu viele Themen gleichzeitig in zu engem Rahmen behandelt werden sollten. Doch vielleicht dient diese Tagung ja tatsächlich der Selbstfindung: Werden die Inhalte konsequent aufgearbeitet, einigt man sich darauf, von all den angesprochenen Themen die zu vertiefen, die im Hinblick auf die Realisierung einer neuen Siedlung relevant sind, hätte die Tagung ihr Gutes gehabt. Es ist zu hoffen. Denn auf einen Werkbund, der Projekte auf den Weg bringt, die unsere Vorstellungen von städtischem Wohnen erweitern, kann man in Deutschland nicht verzichten. ch |
Bild: www.thehighline.org |  | |  Mitten durch Chelsea verläuft die Trasse der alten Hochbahn (oben). Das Kiesbett, das einst die Schienen umgab, ist nun Tausenden von Pflanzen gewichen (Mitte und unten). | Über den Straßen von New York Wer an New York denkt, denkt nicht gerade an Umweltschutz und Nachhaltigkeit. Noch nicht. Denn der amtierende Bürgermeister Michael Bloomberg hat sich mit seinem "PlanNYC 2030" vorgenommen, New York zur "ersten umweltverträglichen Stadt des 21. Jahrhunderts" zu machen. Ein kleines Teilchen dieses riesigen Puzzles (insgesamt 127 Punkte umfasst der Plan) konnte nun eingeweiht werden: der Park auf der ehemaligen Highline. Zwischen 1929 und 1934 war die zehn Meter über den Straßen der Stadt gelegene Hochbahntrasse gebaut worden, 1980 rollte der letzte Güterzug über die Schienen. Was dann folgte, kennen wir auch aus dem eigenen Land: Die Natur erobert sich die Brachfläche zurück, sie gerät in Vergessenheit und irgendwann fällt den Verantwortlichen nichts Besseres ein, als einfach alles abzureißen oder kommerziell zu nutzen. In New York nahm dank der Bürgerinitiative "Friends of the Highline" alles eine andere Wendung. Benefizkonzerte, bei denen unter anderem auch David Bowie auftrat, prominente Unterstützung und ein erfolgreiches Gerichtsverfahren gegen den ehemaligen Bürgermeister Rudolph Giuliani verwandelten die Abrisspläne in ein 140-Millionen-Dollar-Projekt. Das Projektteam unter Federführung von James Corner Field Operations, das 2004 den Wettbewerb gewonnen hatte, unterteilt die rund zwei Kilometer lange Trasse in verschiedene Zonen. Mal dominieren die Pflanzen, an anderer Stelle kommt der industrielle Charakter der einstigen Güterzugstrecke verstärkt zum Vorschein, wieder woanders laden Bänke und Liegestühle zum Verweilen ein. Die neu gepflanzten Stauden, Bäumen und Kräutern sind so neu allerdings nicht, denn James Corner Field Operations griff auf die Sorten zurück, die sich von selbst im Laufe der Jahre zwischen den Gleisen angesiedelt hatten. Der nun eröffnete Teil der Highline (der zweite Abschnitt soll 2010 fertiggestellt werden) lädt täglich von 7.00 bis 22.00 Uhr New Yorker und Touristen zu einem Spaziergang ein. sh |
|  | |  | Geschichte retten Am vergangenen Wochenende trafen sich die Leiter|innen deutscher Architekturarchive, um zu beraten und Kooperationen auszuloten. Originale sind, man weiß es nicht erst seit dem Zusammensturz des Kölner Stadtarchivs, empfindlich. Sie zur Sicherheit zu digitalisieren bringt den großen Vorteil, dass Forschung, Lehre und Öffentlichkeit die Daten nutzen können. Zur rechten Zeit, vielleicht ein bisschen spät aber doch früher als andere Institutionen, beginnt jetzt das DigitAM – die digitale Sammlung des Architekturmuseums der TUM – seine Arbeit. Es begreift sich als "historisches Gedächtnis der Fakultät für Architektur" und entsteht im Rahmen eines Forschungsprojektes. Die Planbestände des Architekturmuseums werden dafür hochauflösend und bis zu einer Größe von 1,20 mal 1,80 Meter gescannt und digitalisiert. Die Bildrechte der Digitalisate liegen beim Architekturmuseum der TUM, dessen Sammlung 1868 noch als Lehrsammlung gegründet wurde. Hochaufgelöste Digitalisate können per Email beim Architekturmuseum der TUM bestellt werden, Veröffentlichen ist nur mit Genehmigung des Architekturmuseums im Rahmen von Publikationen erlaubt. Um eine Größenordnung zu nennen: Die Sammlung umfasst etwa 500.000 Zeichnungen und Pläne von annähernd 7.000 Architekten, außerdem über 100.000 Originalfotografien sowie viele Modelle und Archivalien. Am Wochenende wurde außerdem die neue Sammlung für Architektur und Ingenieurbau der TU Braunschweig, saib am Institut der Architekturhistorikerin Karin Wilhelm gegründet. Die große Resonanz auf die Ausstellung zum Lebenswerk von Friedrich Wilhelm Krämer (1909-1990) trug dazu bei, dass ab sofort für die Sammlung und mit ihr gearbeitet werden kann. Jetzt können auch die Nachlässe von Architekten und Ingenieuren der Nachkriegszeit gesichert werden, die vielerorts verloren zu gehen drohen. Gut und professionell betreute Sammlungen werden immer wichtiger, wo sich eine jüngere Forschergeneration im Googlen zu erschöpfen droht. Sichern allein nützt allerdings wenig, wenn nicht mit gut ausgebildeten Mitarbeitern die Bestände registriert, aufgearbeitet, digitalisiert und bewertet werden. Eine Zeit, in der allerorten das Interesse an Geschichte angeblich steigt, müssen die Sammlungen und Archive zu nutzen wissen. ub
Zum Thema: "Papierstau im Archiv" im Magazin 23/2009 |
|  | |  | Film der Woche Studenten der TU Darmstadt setzen sich mit der Altstadt von Damaskus auseinander (Fachgebiet für Planen und Bauen in außereuropäischen Regionen, Leitung: Jula-Kim Sieber). Leonie Plänkers, Julia Wiengarten, Humberto Sarabia und Catharina Schuster schlagen ein Kulturzentrum zur Revitalisierung eines Altstadtquartiers vor. Hier geht's zum Film. |
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